
Was bedeutet “komedogen” für deine Haut?
Komedogen – dieser Begriff taucht auf vielen Produkten auf. Die Komedogenität beschreibt, in welchem Maß ein Inhaltsstoff oder Produkt theoretisch dazu neigt, Poren zu verstopfen und damit die Entstehung von Mitessern oder Pickeln zu begünstigen. Aber wie eindeutig ist diese Bewertung und für welche Hauttypen ist die Komedogenität überhaupt relevant?
Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit der Biochemikerin Dr. Sarah Schunter aus München.
Inhalte im Überblick
Kurz & knapp: Komedogenität
Bedeutung: Die Komedogenität kann Hinweise darauf geben, ob ein Inhaltsstoff oder Produkt die Poren verstopfen und so Mitesser (Komedonen) begünstigen könnte.
Nutzen: Kann bei der Auswahl passender Hautpflege für zu Unreinheiten neigende Haut helfen.
Kritik: Die Komedogenität ist keine exakt messbare Größe, sondern ein Richtwert.
Hauttypen: Die Komedogenität kann für fettige, ölige und zu Akne neigende Haut relevant sein.
Was bedeutet komedogen?
„Komedogen“ leitet sich vom Begriff „Komedo“ ab – der medizinischen Bezeichnung für Mitesser (blackheads). Ein Inhaltsstoff gilt als komedogen, wenn er potenziell dazu führen kann, die Talgdrüsen zu verstopfen. Das kann die Entstehung von Mitessern, Pickeln und Unterlagerungen begünstigen.
Das Gegenteil von komedogen ist nicht-komedogen – ein Begriff, der Produkte beschreibt, die laut Hersteller weder Mitesser verursachen noch die Poren verstopfen sollen.
Komedogenität und ihre Bedeutung für die Hautpflege
Wichtig für die Bedeutung der Komedogenität: Der Begriff bietet eine theoretische Orientierung, ob ein Produkt für bestimmte Hauttypen geeignet ist. Besonders für Menschen mit fettiger, öliger oder zu Akne neigender Haut kann dieser Hinweis hilfreich sein.
Allerdings: Nicht jeder komedogene Inhaltsstoff löst automatisch Unreinheiten aus. Umgekehrt kann auch ein „nicht-komedogenes“ Produkt Unreinheiten verursachen – beispielsweise, wenn andere Faktoren innerhalb der Pflegeroutine eventuell nicht optimal auf den Pflegebedarf der Haut angepasst sind. So können etwa eine unpassende Reinigung, bestehende Hautbarrierestörungen oder hormonelle Einflüsse auch eine Rolle spielen und zur Entstehung von Mitessern beitragen, auch wenn du auf eine nicht-komedogene Hautpflege achtest.
Wie wird die Komedogenität ermittelt?
Die Komedogenität wird häufig auf einer Skala von 0 (nicht-komedogen) bis 5 (stark komedogen) angegeben. Historisch basieren diese Bewertungen auf Tests, bei denen Inhaltsstoffe in Reinform auf Tierhaut (meist Kaninchenohren, „Hasenohr-Modell“) oder stark verhornten Hautarealen von Menschen aufgetragen wurden – Methoden, die nicht mehr angewendet werden. Wenn neue Inhaltsstoffe auf den Markt kommen, werden heutzutage Erfahrungswerte aus praktischen Beobachtungen oder In-vitro-Tests für eine Beurteilung der Komedogenität benutzt. Dennoch sind die ursprünglichen Skalen weiterhin verbreitet, vor allem bei gängigen und etablierten Inhaltsstoffen – trotz der Einschränkungen in der Aussagekraft.
Einflussfaktoren auf die Komedogenität
Ob ein Inhaltsstoff tatsächlich Unreinheiten verursacht und komedogen ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
Hauttyp und Talgproduktion: Fettige Haut ist anfälliger für eine Verstopfung der Poren, da häufig eine erhöhte Talgproduktion vorliegt.
Produktformulierung: In Kombination mit anderen Inhaltsstoffen können komedogene Eigenschaften einzelner Stoffe abgemildert oder verstärkt werden.
Anwendungsmenge und Häufigkeit: Häufiges und reichhaltiges Auftragen erhöht das Risiko für Verstopfungen. Somit kann ein theoretisch nicht-komedogenes Produkt bei entsprechender Anwendung durchaus zu Mitessern führen.
Individuelle Empfindlichkeiten: Jede Haut reagiert individuell – ein Stoff kann für eine Person unproblematisch, für eine andere komedogen wirken.
Warum die Komedogenität nur ein Hinweis ist
Die Bewertung der Komedogenität liefert keinen absolut verlässlichen Wert, sondern dient stets nur als grobe Orientierung.
Testmethoden: Historische Verfahren (beispielsweise das Hasenohr-Modell) sind nicht immer auf die normale Gesichtshaut übertragbar.
Reinform vs. Formulierung: Inhaltsstoffe verhalten sich in Kombination oft anders als allein.
Individuelle Unterschiede: Hauttyp, Pflegegewohnheiten und Lebensstil beeinflussen das Ergebnis.
Expert Tip
Nutze die Komedogenität als Hilfsfaktor – aber wähle Produkte nicht ausschließlich danach aus.
Tipps für die Auswahl nicht-komedogener Produkte
Selbst wenn die Angabe zur Komedogenität nicht immer eindeutig ist, kann sie bei fettiger, öliger oder unreiner Haut sowie Akne Hinweise liefern, die passenden Pflegeprodukte auszuwählen. Folgende Tipps können hilfreich sein:
Leichte Texturen bevorzugen: Fluide, Gele oder Lotionen statt sehr reichhaltiger, fettiger Cremes.
Patch-Test durchführen: Einen Patch-Test zu machen, bedeutet, dass du neue Produkte erst an einer kleinen Hautstelle, wie etwa unterhalb des Ohrläppchens am Hals, ausprobierst und die Reaktion der Haut beobachtest.
INCI-Liste prüfen: Achte auf Inhaltsstoffe mit niedriger oder keiner Komedogenitätsbewertung.
Nicht-komedogene Hautpflege
Welche Inhaltsstoffe sind komedogen?
Auch wenn die Bewertung der Komedogenität ihre Schwachstellen hat, gibt es für einige Inhaltsstoffe – basierend auf historischen Testdaten und praktischen Erfahrungen – dennoch Hinweise, ob sie eher komedogen oder nicht-komedogen wirken. Die folgende Übersicht zeigt dir Beispiele für beide Gruppen und kann als grobe Orientierung bei der Produktauswahl dienen.
Komedogene Inhaltsstoffe:
Kokosöl (INCI: Cocos Nucifera Oil)
Weizenkeimöl (INCI: Triticum Vulgare Germ Oil)
Isopropyl Myristate
Kakaobutter (INCI: Theobroma Cacao Seed Butter)
Lanolin (INCI: Lanolin)
Nicht-komedogene Inhaltsstoffe:
Squalan (INCI: Squalane)
Jojobaöl (INCI: Simmondsia Chinensis Seed Oil)
Zinkoxid (INCI: Zinc Oxide)
Dimethicone (INCI: Dimethicone)
Hyaluronsäure (INCI: Sodium Hyaluronate)
Niacinamid (INCI: Niacinamide)

Über die Autorin
Dr. Sarah Schunter, Biochemikerin
„Wer versteht, wie kosmetische Inhaltsstoffe agieren, setzt den ersten Schritt für eine wirksame Hautpflege“, sagt Biochemikerin Dr. S. Schunter. Als promovierte Biochemikerin entwirrt sie mit Vorliebe die oftmals kryptischen Inhaltsstofflisten von Hautpflegeprodukten: was steckt drin und wie wirkt es. Sie ist überzeugt: Mit diesem Wissen kann für jeden Hauttyp und jeden Hautzustand die richtige Pflege ermittelt werden.










