
Gesichtsreinigung – Hier beginnt gesunde Haut
Die richtige Gesichtsreinigung ist das A und O einer effektiven Hautpflegeroutine und einer gesunden Haut. Sie entfernt Schmutz, überschüssigen Talg, Make-Up Rückstände und bereitet die Haut optimal auf die nachfolgende Pflege vor. Doch welche Reinigung passt zu welchem Hauttyp? Und wie vermeidet man Fehler, die die Hautbarriere schwächen? Erfahre hier alles über die optimale Gesichtsreinigung.
Informationen geprüft und erstellt in Kooperation mit der Biochemikerin Dr. Sarah Schunter aus München.
Inhalte im Überblick
Kurz & knapp: Gesichtsreinigung
Eine Hautreinigung sollte so gründlich wie nötig, so mild wie möglich sein
Bei vielen Hauttypen ist morgens eine Reinigung mit lauwarmem Wasser vollkommen ausreichend
Setze auf der Reinigung des Gesichtes auf milde Tenside (Waschstoffe), um die Barrierefunktion der Haut nicht zu stören
pH-hautneutrale Produkte können das Hautmilieu schützen und erhalten
Wenn die Reinigung der Haut zu intensiv war, merkst du das an einem Spannungsgefühl
Warum ist die Gesichtsreinigung so wichtig?
Im Laufe des Tages sammeln sich Schmutz und überschüssige Lipide auf der Haut – sei es durch Umweltverschmutzung, eine übermäßige Talgproduktion oder Make-up. Eine gründliche und gleichzeitig milde Reinigung beugt Unreinheiten vor, erhält die Hautbarriere und sorgt dafür, dass nachfolgende Pflegeprodukte besser wirken.
Die Vorteile einer effektiven und schonenden Gesichtsreinigung:
Beugt Unreinheiten und verstopften Poren vor
Bereitet die Haut auf die nachfolgende Pflege vor und kann Wirkstoffe besser aufnehmen
Respektiert die Hautbarriere und schafft so die Grundlage für die Bewahrung von Feuchtigkeit
Welche Reinigungsprodukte gibt es?
Die Wahl des richtigen Reinigungsprodukts ist entscheidend für eine effektive, aber zugleich schonende Gesichtsreinigung. Unterschiedliche Formulierungen sind dabei oftmals auf die Bedürfnisse verschiedener Hauttypen abgestimmt – von klärenden Gelen für unreine Haut bis hin zu rückfettenden Reinigungsbalms für trockene Haut.
Auch die Textur spielt eine Rolle: Während Gele oft tiefenreinigend wirken, sind Öle besonders gut geeignet, um Make-up zu entfernen oder besonders trockene Haut zu reinigen. Doch letztlich entscheiden auch das persönliche Hautgefühl und die eigenen Vorlieben, welches Reinigungsprodukt zum Einsatz kommt.
Die folgende Übersicht soll dir daher eine grobe Empfehlung geben, welche Reinigungsprodukte in der Theorie zu welchem Hauttyp passen:
Reinigungsgel – ideal für fettige und unreine Haut
Hohe Waschkraft
Entfernt zuverlässig überschüssigen Talg
Kann austrocknend wirken – auf sanfte Formulierungen achten
Reinigungsgel
Reinigungsschaum – für normale bis fettige Haut
Hohe bis mittlere Waschkraft
Leichte Konsistenz, entfernt sanft Schmutz und überschüssigen Talg
Bei empfindlicher Haut auf milde Tenside achten
Reinigungsschaum
Reinigungsmilch – sanfte Reinigung für trockene und empfindliche Haut
Leichte bis mittlere Waschkraft
Kann bereits bei der Reinigung Feuchtigkeit spenden und die Haut beruhigen
Enthält oft pflegende Inhaltsstoffe wie Aloe Vera, Bisabolol oder Lipide
Reinigungsmilch
Reinigungsöl oder -balsam – besonders effektiv für wasserfestes Make-up
Hohe Waschkraft
Löst Fett und Make-up besonders hautschonend und hinterlässt ein gepflegtes Hautgefühl
Eignet sich auch explizit für die Reinigung einer trockenen und sehr trockenen Haut
Reinigungsöl und Reinigungsbalm
Mizellenwasser – für schnelle Reinigung
Hohe bis mittlere Waschkraft
Entfernt Make-up und Schmutz
Nicht immer ausreichend für eine gründliche Reinigung, zudem sollten die meisten Mizellenwasser wieder von der Haut abgewaschen werden
Mizellenwasser
Weshalb sich Seife nicht zur Hautreinigung eignet
Seife ist eines der ältesten Reinigungsmittel, doch für die Gesichtsreinigung ist Seife ungeeignet. Der Grund liegt in ihrem alkalischen pH-Wert von 8 bis 12, der den natürlichen Säureschutzmantel der Haut (pH 4,5–5,5) stört. Dies kann folgende negative Auswirkungen haben:
Schwächung der Hautbarriere: Die Haut quillt auf, verliert Feuchtigkeit und wird anfälliger für Reizstoffe.
Förderung von Unreinheiten: Aknebakterien gedeihen in alkalischem Milieu besser, was Pickel begünstigen kann.
Trockenheit und Spannungsgefühl: Seife zerstört den Hydrolipidfilm, was die Haut nach der Reinigung trocken, stumpf und “bremsig” erscheinen lässt.
Bildung von Kalkseifen (bei hartem Wasser): Diese Rückstände können die Haut zusätzlich austrocknen und stumpf wirken lassen.
Natürlich führt die gelegentliche Verwendung von Seife nicht sofort zu Hautproblemen. Kritisch wird es jedoch bei regelmäßiger Anwendung, da die Haut immer wieder aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Dermatologinnen und Dermatologen raten daher einhellig von der Verwendung klassischer Seifen für die Gesichtsreinigung ab. Stattdessen gibt es moderne, pH-hautneutrale Tenside, die Schmutz und überschüssigen Talg entfernen, ohne die Hautbarriere unnötig zu belasten.
So erkennst du Seifen
Echte Seife wird durch das Aufkochen zweier Bestandteile hergestellt: Pflanzliche oder tierische Fette und eine Lauge. Anhand der INCI-Liste kannst du Seifen daher leicht an diesen Stoffen identifizieren:
Pflanzliche oder tierische Öle und Fette
Sodium Palmate (verseiftes Palmöl)
Sodium Cocoate (verseiftes Kokosöl)
Sodium Olivate (verseiftes Olivenöl)
Sodium Tallowate (verseifetes Rinderfett)
Alkalische Bestandteile (Laugen)
Sodium Hydroxide (Natronlauge)
Potassium Hydroxide (Kalilauge)
Diese verseiften Fette, sind aggressive Tenside und für regelmäßige Reinigung der Haut nicht geeignet. Übrigens: Nicht alle festen Reinigungsprodukte sind automatisch Seifen, es gibt auch sogenannte feste Syndets, die jedoch mildere Tenside enthalten. Zu erkennen beispielsweise an folgenden Bezeichnungen:
Sodium Coco-Sulfate
Sodium Lauryl Sulfate
Sodium Cocoyl Isethionate
Disodium Lauryl Sulfosuccinate
Hautverträgliche Tenside
Produkte mit pH-hautneutralen Tensiden sind sanfter zur Haut als Seifen, da sie den Säureschutzmantel nicht stören. Dazu bedienen sich Kosmetikhersteller einer ganzen Bandbreite verschiedener Tenside:
Zucker- und Aminosäure-Tenside (sehr mild, hautfreundlich, biologisch abbaubar)
Coco-Glucoside – Zuckertensid, besonders mild und gut verträglich
Lauryl Glucoside – sehr sanft, häufig in Naturkosmetik
Decyl Glucoside – besonders hautschonend, für empfindliche Haut geeignet
Sodium Cocoyl Glutamate – aus Kokosöl und Glutaminsäure, sehr mild und hautfreundlich
Disodium Cocoyl Glutamate – ähnlich wie Sodium Cocoyl Glutamate, aber noch milder
Betaine (sehr gut verträglich, sanft schäumend)
Cocamidopropyl Betaine – milder Co-Tensid, verbessert die Verträglichkeit anderer Tenside
Coco-Betaine – natürlich abgeleitet, sanfter als klassische Sulfate
Sulfatfreie anionische Tenside (mild, schäumend, hautfreundlich)
Sodium Cocoyl Isethionate – sehr mild, auch für empfindliche Haut geeignet
Sodium Lauroyl Methyl Isethionate – extrem sanft und gut biologisch abbaubar
SLS und SLES bei der Hautreinigung meiden?
SLS (Sodium Lauryl Sulfate) und SLES (Sodium Laureth Sulfate) gehören zu den anionischen Tensiden, die eine sehr starke Reinigungskraft und Schaumbildung haben. Sie sind in vielen Shampoos, Duschgelen und Gesichtsreinigern enthalten, können jedoch die Hautbarriere negativ beeinflussen.
SLS und SLES entfernen nicht nur Schmutz und überschüssigen Talg, sondern oft auch die natürlichen Lipide der Haut. Das kann die Haut austrocknen und die Schutzbarriere schwächen.
SLS ist bekannt für seine hautreizenden Eigenschaften und kann Rötungen sowie Spannungsgefühle verursachen. SLES gilt als ein wenig milder, ist aber dennoch irritierend.
Bei empfindlicher oder zu Unreinheiten neigender Haut kann es sinnvoll sein, bewusst auf SLS und SLES zu verzichten.
Dennoch müssen SLS und SLES nicht prinzipiell gemieden oder gar verteufelt werden. Es gibt begleitende Inhaltsstoffe, die die hautreizende Wirkung reduzieren können und so die Hautfreundlichkeit verbessern. Achte daher auf folgende Begleitstoffe:
Co-Tenside: Cocamidopropyl Betaine, Coco-Glucoside, Lauryl Glucoside, Sodium Cocoyl Glutamate, Disodium Cocoyl Glutamate
Feuchtigkeitsspendende und hautberuhigende Inhaltsstoffe: Glycerin, Hyaluronsäure, Panthenol, Aloe Vera, Bisabolol, Allantoin
pH-Wert: Dieser sollte sich im pH-hautneutralen Milieu bewegen (ca. 4,5–5,5)
Gesichtsreinigung nach Hauttyp
Jede Haut hat unterschiedliche Bedürfnisse, daher sollte die Gesichtsreinigung individuell auf den Hauttyp und die Hautbedürfnisse abgestimmt sein. Eine zu intensive Reinigung kann die Haut aus dem Gleichgewicht bringen – zu aggressive Produkte können trockene Haut noch mehr austrocknen, während zu reichhaltige Formulierungen bei fettiger Haut Unreinheiten begünstigen können. Wer seinen Hauttyp kennt und die passenden Reinigungsprodukte wählt, kann seine Haut optimal reinigen und ihre natürliche Schutzbarriere bewahren. Die folgende Übersicht zeigt, welche Reinigungsroutine für welchen Hauttyp am besten geeignet ist:
Trockene Haut
Milde, feuchtigkeitsspendende Reiniger auf Basis von Ölen oder Lipiden: Reinigungsmilch, Reinigungsbalsam, Reinigungsöl
Die Haut morgens nur mit Wasser, abends mit einem passenden Reinigungsprodukt reinigen
Nicht zu heißes Wasser verwenden, lauwarmes Wasser ist ausreichend
Nach der Reinigung feuchtigkeitsspendende Pflege auftragen
Fettige & unreine Haut
Leichte, klärende Reinigungsgels oder -schäume
Inhaltsstoffe wie Zink oder Salicylsäure können bei Unreinheiten vorteilhaft sein
Zweimal täglich reinigen, um überschüssiges Fett von der Haut zu entfernen
Empfindliche Haut
Reizfreie Formulierungen ohne Alkohol oder aggressive Tenside, das können sowohl Waschgele, Reinigungschäume oder lipidbasierte Reiniger sein
Die Haut morgens nur mit Wasser, abends mit einem passenden Reinigungsprodukt reinigen
Nicht zu heißes Wasser verwenden, lauwarmes Wasser ist ausreichend
Nach der Reinigung mit beruhigenden Wirkstoffen pflegen
Normale Haut
Prinzipiell können hautschonende Reiniger aus jeder Produktgruppe gewählt werden
Setze auf barriereschonende und milde Reinigungsprodukte, um die Hautbarriere weiterhin gesund zu halten
Fettet die Haut den Tag über nicht nach, ist eine Reinigung der Haut am Morgen mit Wasser aussreichend
Die richtige Reinigung in der Morgen- und Abendroutine
Neben der Wahl des passenden Reinigungsproduktes ist auch eine passende Reinigungsroutine entscheidend. Sicher kennst du es auch, dass du am Abend manchmal die Reinigung am liebsten skippen möchtest - doch gerade die abendliche Reinigung ist besonders wichtig für deine Hautgesundheit und deinen Hautzustand. Wenn du an der Reinigung sparen willst, dann ist das bei manchen Hauttypen (normal, trocken, empfindlich) am Morgen eine Option: Fettet deine Haut über Nacht nicht merklich nach, kann es sogar vorteilhaft sein, die morgens Haut nur mit lauwarmem Wasser abzuwaschen, um ggf. Pflegerückstände deiner Abendpflege zu entfernen.
Gesichtsreinigung am Morgen
Bei fettiger Haut Cleanser verwenden, um überschüssigen Talg zu entfernen
Ansonsten Reinigung mit lauwarmem Wasser, das schont die Hautbarriere
Gesichtsreinigung am Abend
Verwende ein Reinigungsprodukt, das auf deinen Hauttyp und deinen Hautzustand abgestimmt ist
Trägst du Make-Up, Mascara oder wasserresistente Produkte wie beispielsweise eine Sonnencreme, können diese mit ölbasierten Cleansern wie einer Reinigungsmilch, Reinigungsöl oder Reinigungsbalm sanft entfernt werden.
Wem die Reinigung mit ölbasierten Cleansern zu intensiv ist, kann einen zweiten Reinigungsschritt mit einem wasserbasierten Reiniger, im Sinne eines sogenannten Double-Cleansing, anschließen. Aber Achtung, das Double-Cleansing kann schnell zu intensiv für die Haut sein – achte daher auf ein mildes Reinigungsprodukt.
Häufige Fehler bei der Gesichtsreinigung
Kaum ein Schritt der Hautpflege beeinflusst den Hautzustand so stark wie die Reinigung. Dennoch wird ihr oft nicht die nötige Beachtung geschenkt. Dabei legt eine gut abgestimmte Reinigung die Basis für eine gesunde und schöne Haut.
Theoretisch ist Hautreinigung einfach: Wasser entfernt wasserlöslichen Schmutz, waschaktive Substanzen lösen fettlösliche Rückstände. In der Praxis kann jedoch eine falsche Reinigung die Haut austrocknen und ihre natürliche Schutzschicht schwächen. Besonders aggressive Produkte, übermäßige Anwendung oder heißes Wasser können die Hautbarriere nachhaltig stören. Eine sanfte, aber effektive Reinigung sorgt hingegen dafür, dass die Haut sauber bleibt, ohne ihr Gleichgewicht zu verlieren.
Typische Fehler bei der Hautreinigung und wie du sie vermeidest
Zu aggressive Reinigung – Starke Tenside, austrocknende Inhaltsstoffe oder hohe Anteile an Alkohol (INCI: Alcohol oder Alcohol denat.) können die Hautbarriere schädigen und Irritationen verursachen.
Besser: Milde Reinigungsprodukte mit hautfreundlichen Tensiden und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen verwenden.Heißes Wasser – Hohe Temperaturen können die Haut reizen, hauteigene Lipide aus der Haut lösen und Entzündungen begünstigen.
Besser: Lauwarmes Wasser nutzen, um die Haut zu schonen und dennoch gründlich zu reinigen.Nicht gründlich genug abspülen – Rückstände von Reinigungsprodukten können zu Unreinheiten führen oder die Hautbarriere stören.
Besser: Das Gesicht nach der Reinigung sorgfältig mit klarem, lauwarmem Wasser abspülen.Zu häufige oder zu seltene Reinigung – Zu häufiges Waschen kann die Haut austrocknen, während eine unzureichende Reinigung Schmutz und Bakterien auf der Haut belässt.
Besser: Die Haut morgens sanft und abends gründlich reinigen, angepasst an den eigenen Hauttyp.Zu starkes Reiben – Mechanische Reibung durch grobe Handtücher, Bürsten oder physikalische Partikel kann die Haut reizen und Mikroverletzungen verursachen.
Besser: Reinigungsprodukte sanft einmassieren, das Gesicht vorsichtig mit einem weichen Handtuch trocken tupfen und auf Waschprodukte mit Körnern oder Peelingpartikeln verzichten.
Die Basis einer strahlenden und gesunden Haut geht von einer hautverträglichen Reinigung aus. Deshalb ist es wichtig, dass die Reinigung des Gesichtes so gründlich wie nötig, aber so mild wie möglich ist, um deine Hautbarriere zu schützen.

Über die Autorin
Dr. Sarah Schunter, Biochemikerin
„Wer versteht, wie kosmetische Inhaltsstoffe agieren, setzt den ersten Schritt für eine wirksame Hautpflege“, sagt Biochemikerin Dr. S. Schunter. Als promovierte Biochemikerin entwirrt sie mit Vorliebe die oftmals kryptischen Inhaltsstofflisten von Hautpflegeprodukten: was steckt drin und wie wirkt es. Sie ist überzeugt: Mit diesem Wissen kann für jeden Hauttyp und jeden Hautzustand die richtige Pflege ermittelt werden.








































